Kael Drakkal – der deutsche EQ-Server

Kurzer Überblick zu Kael Drakkal

Seit ein paar Wochen gibt es nun offiziell eine deutschsprachige Version von Everquest samt deutsprachigen Server, welcher auf den Namen Kael Drakkal hört. Im folgenden Abschnitt möchte ich kurz umreißen, was dies für uns Everquest-Spieler genau bedeutet.

Everquest – eine Fülle von Servern

Fast jeder, der in den letzten Monaten und Jahren Everquest gespielt hat, wird sich mit der englischen Sprache, die dafür Pflicht ist, mehr oder weniger abgefunden haben.

Viele von diesen Spielern können allerdings nur auf normales Schulenglisch zurückgreifen, welches zwar durchaus reicht, um sich mit Menschen anderer Nationen zu verständigen, aber oftmals nicht genug ist, um wirkliche Konversation zu führen. Nicht umsonst joinen viele deutschsprachige Everquestler einer Gilde, die auch deutsch spricht, um Spass an diesem Spiel zu haben. Die zweite Kategorie sind diejenigen, die Everquest bislang immer gemieden haben, weil sie überhaupt kein Englisch können. Für beide Kategorien gibt es nun seit ein paar Wochen die Abhilfe in Form eines rein deutschsprachigen Servers: Kael Drakkal.

Die Serveraufstellung von Everquest ist etwas verwirrend. Hat man Everquest einmal installiert, hat man die Auswahl an rund 50 Servern, von denen einige „normale“ Server darstellen, andere wiederrum zu den PvP Servern gehören oder gar sogenannte „Legends“ Server sind. Ausserdem gibt es einen Server namens Antonious Bayle, der als Euro Server deklariert ist. Seltsamerweise gibt es mit dem Server Kane Bayle einen weiteren Server, den in Europa steht, aber nicht als solcher gekennzeichnet ist (stattdessen wird er als Niederländischer Server (NL) bezeichnet – wissen die Amis vielleicht nicht, wo die Niederlande liegen? *g*). Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es desweiteren noch 3 andere europäische Server, die aber nicht von Sony, sondern von Ubi Soft betrieben werden. Einer dieser Server ist für Frankreich gedacht, der zweite für England und der dritte ist unser deutscher Server Kael Drakkal.

Während man alle Server, die von Sony betrieben werden, mit der ganz normalen amerikanischen Everquest Software betreten kann, sieht es insbesondere bei Kael Drakkal anders aus. Hierfür muss man sich im Prinzip die speziell angepasste Everquest Europa Version (enthält Everquest Classic, Ruins of Kunark, Scars of Veliuos, Shadows of Luclin) und zusätzlich Add-On Planes of Power Europe kaufen. Wer bereits die amerikanische Everquest Version (von Classic bis Luclin – aber ohne Planes of Power) kann diese Version durch den Kauf der Euro-Planes of Power Version für den dt. Server fit machen.

Fit für den dt. Server – aber wie?

Was macht man aber, wenn man auf den Ami-Servern gespielt und alle Add-Ons inklusive PoP bereits besitzt? Nochmal Planes of Power kaufen – wie ätzend?! Nun, hier gibt es einen kleinen, kostengünstigen Trick: Es gibt seit einiger Zeit eine sogenannte 30-Tage Testversion für die dt. Version. Diese war z. B. auf letzten Gamestar DVD enthalten oder steht noch immer bei T-Online zum Download zur Verfügung.

Man geht nun folgendermaßen vor: Man installiert die Testversion in ein eigenes Verzeichnis, markiert alles aus diesem Verzeichnis, kopiert es und überschreibt mit diesen Daten alles, was im amerikanischen Everquest-Verzeichnis liegt. Danach startet man Everquest ganz normal. Wenn alles gut gegangen ist, müßte man schon beim Patchscreen statt der bunten PoP Grafik die blau-graue Everquest-Grafik der Europa-Version sehen.

Wer genug Festplattenplatz hat und auch gerne nochmal auf den Ami-Server gehen möchte von Zeit zu Zeit, sollte vorher eine Kopie des ami-Everquest Verzeichnisses machen und dann nur in diese Kopie alle Daten der Test-Version hineinkopieren. Man hat dann drei Ordner: Einmal den mit der ursprünglichen Everquest Version (den benutzt man für die Ami Server), dann die Kombination aus Ami und Testversion (die braucht man für den dt. Server) und zum Dritten den Ordner mit der Test-Version – diesen kann man getrost löschen.

Wie kann ich einen Account für den dt. Server eröffnen?

Nun, das funktioniert genauso wie immer: Europäische Everquest Software kaufen, installieren, ingame registieren und fertig. Angeblich kann man nun auf Euro-Abrechnung und Lastschrift-Verfahren umstellen – aber dazu kann ich nicht viel sagen, denn ich benutze natürlich immer noch meinen alten Sony-Account. Ja genau, ihr habt richtig gehört, euer ganz normaler Sony Account ist vollkommen ausreichend, um auf den Ubi-Soft Servern spielen zu können. Im Großen und Ganzen gibt es also nur eine Inkompatibilität der Software, die aber wie oben beschrieben behoben werden kann.

Kael Drakkel – was ist gut, was ist schlecht?

Dies ist eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten läßt. Für einen echten Neuling ist es gut, dass nun alles in deutsch gehalten ist – er tut sich mit dem Spiel daher viel leichter. Vor allem, dass die Questen übersetzt wurden, ist für viele ein wahrer Segen.

Für einen alten Hasen ist manches, was man an Übersetzungen zu Gesicht bekommt, wiederrum eher abschreckend und führt dazu, dass man sich plötzlich in dem Spiel überhaupt nicht mehr auskennt. Wer sich fragt, was die Zusatzinformationen „Wissens-Gegenstand“ bei vielen Items bedeutet, braucht sich wahrlich nicht schämen, denn auf den Gedanken, dass damit die guten alten „Lore-Items“ gemeint sein könnten, kommt man erst nach einigem Grübeln. Auch ist es fraglich, warum Ubi Soft aus allgemein gültigen Begriffen wie AFK (away from keyboard) nun unbedingt eine deutsche Version einbringen mußte: Der Begriff heisst nun NAP (nicht am Platz) und ist anfangs schon für so manchen Lacher gut. Aus den Dreadlands wurden die Furchtelande (*lol*) und auch einige Waffen und Rüstungsteile erkennt man eher von den Werten her wieder, als vom Namen.

Trotzdem: Auch wenn einige Übersetzungen etwas seltsam anmuten (oder manchmal sogar ganz einfach falsch sind), ist der Grossteil der deutschen Texte durchaus brauchbar. Es ist wie bei allem: wenn man jahrelang gewöhnt war, ein SOW (Spirit of Wolf) zu verlangen, ist es eben eine Umstellung, sich mit dem Gedanken zu befassen, dass der Spruch nun „Geist des Wolfes“ heisst – eine treffende Übersetzung, aber für die „Alten“ eben trotzdem haarsträubend. Wer seine Vorurteile und alten Vorstellungen allerdings ablegen kann, wird sich relativ schnell in dieser Umgebung zurechtfinden und vielleicht sogar dankbar sein, deutschsprachige Texte lesen zu dürfen :)
Glücklicherweise funktionieren (fast) alle amerikanischen Kürzel wie /follow, /afk, /tell, /gui, /ooc noch immer, so dass die Umstellung zumindest in diesem Bereich nicht so schlimm ausfällt. Und erstmals darf man in Everquest hemmungslos Umlaute wie ö, ä, ü und ß benutzen (und die Tasten y/z sind nun da, wo sie auch hingehören *g*)

Etwas gravierender als das Übersetzungsproblem sind allerdings die Bugs, mit denen die dt. EQ-Version noch zu kämpfen hat. So konnten Barden bis vor kurzem keine Instrumente benutzen (wurde mit dem gestrigen Pach gefixt), Zaubersprüche wie „Minor Healing“ und „Lesser Healing“ heissen in der dt. Version in beiden Versionen „Geringe Heilung“. Bei manchen Sprüchen unterscheidet sich der Text, der im Zauberbuch steht von dem Text, der auf der Spruchrolle stand. So wird aus dem Spruch „Feet like Cat“ in der Übersetzung „Füße wie eine Katze“ (durchaus richtig), während der Spruch im Zauberbuch dann aber „Katzenfüße“ genannt wird – sehr verwirrend.

Die Poplulation auf Kael Drakkal

Sieht man von diesen negativen Punkten ab, bietet der deutsche Server allerdings nur noch Vorteile: Die Anzahl der deutschprachigen Spieler übersteigt die jedes anderen Server natürlich bei weitem. Wer bislang auf einem Server wie Kane Bayle daran gewöhnt war, mit maximal 40 dt. Spielern konfrontiert zu sein, wird hier freudig erfahren, dass alle 600-700 Spieler um ihn herum der deutschen Sprache mächtig sind und dass jeder, den man auf deutsch anspricht, auch versteht, was man ihm sagt und (zumeist *g*) auch in verständlicher Art und Weise antwortet. Es ist nun auch für Leute mit schwachen Englischkenntnissen möglich, mit jedermann (sofern dieser gewillt ist), eine schöne Konversation zu führen. Wer sich über jemanden ärgert, einem Guide ein Problem erklären möchte oder klar machen möchte, was die Gruppe grade falsch gemacht hat, bricht sich keinen mehr in schlechtem Englisch ab: hier wird deutsch gesprochen!

Ausserdem darf man einen weiteren grossen Vorteil nicht vergessen: Patchzeiten liegen bei Kael Drakkal immer in der späten Nacht bzw. in den frühen Morgenstunden (so ab 2 Uhr morgens) – also in einem Zeitbereich, in dem eh nur Urlauber spielen können.

Mit 600-700 Spielern ist Kael Drakkal allerdings ein kleiner Server, kleiner als alle anderen Server, auf denen ich bislang war – ja sogar noch kleiner als Kane Bayle (und der war schon klein). Den Unterschied macht allerdings der Fakt, dass man hier nicht ständig auf der Suche nach Deutschen ist, um z. B. eine grosse Gilde aufbauen zu können. Selbst die kleinste Gilde auf Kael Drakkal umfasst 50 Mann/Frau – von den Grossen gar nicht zu reden (wobei es ohnehin erst einige wenige Gilden gibt).

Momentan gibt es eine 2-Klassen Gesellschaft auf KD: Während die „alten“ Everquest-Hasen in der relativ kurzen Zeit schon ganz gut hochgekommen sind (teilweise sogar schon 50+), dümpeln grade die Newbies noch bei lvl 5-25 herum. Die Klassenverteilung zeigt einen eindeutigen Überhang an Schamanen, Beastlords, Warriorn und Necromancern.
Enchanter, Monks, Clerics, Paladine oder Shadowknights gehören zu den eher ungeliebten Klassen.

Preise und Items

Last but not least möchte ich meine Ausführungen noch kurz zu den Preisen führen, die momentan auf Kael Drakkal herrschen. Während man auf Kane Bayle ein Centi Short Sword für rund 300 pp bekommt, kostet dieses noch 2500 pp – sofern überhaupt eins verkauft wird. Items wie das Polished Steel Ulak, das man auf KB normalerweise für 5 pp hinterhergeschmissen bekommt, kosten hier 75 pp – sofern man auch hier überhaupt eins bekommt.

Die Preise und das Item Angebot werden sich mit der Zeit natürlich normalisieren, aber bis dies soweit ist, vergehen noch mindestens einige Monate in denen hochlevelige Charaktere sich wahrscheinlich eine goldene Nase verdienen können.

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