Everquest-Retro-Tagebuch: Tage 26 bis 30

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Das Everquest-Tagebuch geht in die nächste Runde und präsentiert euch den Leidensweg eines jungen Enchanters, der all sein Hab und Gut verliert, weil er seine neugierige Eruditen-Nase zu weit in fremde Angelegenheiten tunken musste. Leid und Everquest – das sind ohnehin zwei Begriffe, die gut zueinander passen. Aber was uns nicht umbringt, macht uns bekanntlich stärker – sonst hätte ich’s doch nie zwei Jahre in WoW ausgehalten 😉

Prolog

Früher, in sehr grauer Vorzeit (Leser meiner Mainseite wissen, dass ich Everquest bereits 1999 zum ersten Mal betrat), war das Geschäft mit dem Mob noch um einiges schwieriger und nervenaufreibender. Aber auch deutlich spannender: Selten konnte mich ein Spiel zu solchen Wutausbrüchen treiben wie dieses, kaum ein anderes Spiel erzeugte aber auch derartige Glücksmomente.
Bei Everquest lagen Freud’ und Leid’ also schon immer eng beinander und all dies verarbeitete ich Beizeiten in einem Tagebuch, das ich im Zuge meiner Account-Reaktivierung in mehreren Teilen präsentieren möchte.
Anzumerken wäre vor der folgenden Lektüre noch, dass es zwischen dem Everquest von damals und jenem, das den Spielern heute zur Verfügung steht, doch deutliche Unterschiede gibt. So war der Verlust der Leiche eine echte Tragödie und es war (ohne Buffs) schier unmöglich, Monstern per pedes zu entkommen. Einzig der rettende Zonenübergang in die nächste Karte war so etwas wie ein Lichtblick, wenn mal wieder ein knallroter Mob hinter uns herwetzte. Und das Reisen war manchmal eine Qual: Everquest kannte in der Urfassung drei Kontinente, die für Normalsterbliche nur per Schiff zu erreichen waren. Und die Dinger ließen sich Zeit: Da stand man dann schon mal locker 20 Minuten und wartete auf das nächste Schiff. Andrerseits muss man auch sagen: Teleporterklassen machten damals halt noch richtig Sinn und das Gefühl durch eine sehr große, sehr gefährliche Spielwelt zu laufen ist trotz aller Risiken bis dato unvergleichlich.
Was allerdings früher, wie auch heute noch gilt: Der Unsichtbarkeitszauber ist recht unzuverlässig und entgleitet dem Spieler gerne mal ohne ersichtlichen Grund – was sehr unangenehme Folgen haben kann 😉
Doch nun lasset das Tagebuch beginnen, das uns zurück in jene Zeit um den April 1999 führt.

Tag 26-30

Frohen Mutes ging ich also an Werk. Nachdem mir die Klasse nun bekannt war, stellte sich noch die Frage der Rasse. Was hätten wir denn da zur Auswahl? Dunkelelfen, Eruditen, Gnome und Elfen sind die näheren Favoriten. Menschen fallen aufgrund mangelnder Intelligenz sowieso von vornherein weg. Und da Dunkelelfen in letzter Zeit so hypermodern geworden sind (da wäre ich ja wieder im Mainstream, hehe), nahm ich halt die zweckmäßigste Rasse – einen Eruditen (eh klüger als die dummen blauen Spitzohren, gelle Rippchen). Noch ein paar Punkte verteilt und los ging’s.
Ich startete in meiner Heimatstadt Erudin und musste zugeben: Dies war die bislang schönste Stadt des Spiels! Mittels Teleporter konnte man sich von einem Ort zu anderen „beamen“ und da die Gilden und die meisten Geschäfte eh nur in einem Gebäude zu finden waren, hatte ich mich nach gut 20 Minuten orientiert und meine Gildenmeister gefunden. Dieser bekam von mir die Schriftrolle und ich von ihm eine Robe und schon ging es auf in Richtung Hafen: Ich wollte Erudin nämlich so schnell wie möglich verlassen, um mich im guten alten Qeynos weiterzubilden
Tja und man hat eben Glück: Das Schiff ließ nicht lange auf sich warten, ich stieg ein und ab ging die wilde Luzi! Nach 15 Minuten oder so (kam mir jedenfalls ewig vor!) ging das Schiff dann endlich im qeynosschen Hafen vor Anker und der Weg in die Freiheit stand mir offen: Ein teurer Weg!
Das erste, was ich jetzt nämlich tat war, mein Monk Bankkonto zu leeren — der Arme! Ewig gespart und am Ende wird er auch noch bestohlen! Saubande! 😉 Aber aufgrund dieser Finanzspritze lief mein Enchanter gleich zu Anfang in ungeahnte Höhen auf: Nachdem ich sämtliche Level 1 Sprüche und eine anständige Ausrüstung (inklusive einer neuen magischen Robe) gekauft hatte, ging es frohen Mutes daran, mal ein paar Spells auszuprobieren und schon der erste Spruch war faszinierend: Minor Illusion war wohl der Name dieses Spells, der meine Person in einen Gegenstand verwandelte. Und zwar in alle möglichen Formen: Öfen, Fackeln, Laternen, Teppiche, Tische und sogar in Nahrung 😉 – jedenfalls einfach geil, wenn man mitten in der Stadt plötzlich einen Ofen stehen sieht und keiner weiß, wo der herkommt.
Auch der Kampf funktionierte bestens: Zu meinem Minor Shielding-Schutzspruch bekam ich noch einen DOT (Damage over Time)-Spell, der reichte, um die meisten Viecher plattzumachen. Den Rest gab ich ihnen dann sowieso mit meinem Giant Snake Fang (ein dolchartiger Schlangenzahn), den mir Ripppi netterweise besorgt hatte. Das einzige, was ich bis jetzt noch nicht ausprobieren konnte, war mein PET (jajaja), das mir eigentlich schon in Lvl 1 zur Verfügung steht —> Problem: Die Zutaten dazu gibt´s meines Wissens NUR in meiner Heimatstadt Erudin und da müsste ich wieder mit dem Schiff hin *bähhh*.
Also kämpfte ich erst einmal völlig ohne Pet und das ging wie schon bereits erwähnt recht gut. Zwischendrin bekam ich noch Besuch von meinem alten Nightmare-Kollegen „Borbarad“, der sich ebenfalls noch Everquest getraut hatte und nun hoffentlich in Zukunft mit mir zusammen so manches Abenteuer bestehen wird.
In Lvl 4 gab es dann erstmal wieder neue Sprüche. Dabei handelte es sich hauptsächlich um bekannte Upgrades der Schutz, Schwäche und DOT Zauber, aber die waren nur Nebensache, denn jetzt konnte ich erstmals den Gate Zauber zum Teleportieren, sowie den Unsichtbarkeitszauber nutzen! Nebenbei bekam ich noch mit Meditate eine mächtige Fähigkeit hinzu, die die Mana Generierung um einiges beschleunigte.

So ne Seefahrt, die ist lustig…

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Bei trüben Wetter auf das nächste Schiff warten. Gibt Schöneres auf der Welt.

Derart gestärkt war es eigentlich an der Zeit, sich endlich mal die Zutaten für mein Zaubertierchen zu holen. Also lief ich in den naheliegenden Hafen und wartete auf das Schiff. Dieses lief nach einigen Minuten ein und dann folgte ein laaanger Weg nach Erudin, der für mich tödlich enden sollte *schnief*.
Denn just auf dem Weg in meine Heimatstadt, machten wir auf einer Insel in Erudins Crossing kurzes Zwischenstopp. Neugierig wie ich war, stieg ich kurz aus und griff einfach mal so aus heiterem Himmel eine der herumlaufenden Viecher mit meinem neuen Spell an. Tjaaaa und das Viech war auch nicht so das Problem, sondern eher die Tigerfrau, die vorne am Steg stand. Denn die griff mich plötzlich an und schlug mir gradewegs den Schädel vom Kopf. Ein paar Sekunden später lag meine Leiche auf dem Boot und ich (weil Hydrolyze mich vorher an Qeynos gebunden hatte) in Qeynos.
Die ganze teure Ausrüstung, das viele Geld… alles weg. Ich wartete zwar noch fast eine Stunde auf beide Schiffe, die nach Erudin fuhren, durchsuchte die Decks, aber ohne Erfolg –> Leiche&Ausrüstung weg! Erfahrung: Halte dich auf dem Schiff so still wie möglich, mach keinen Mucks und greife JA keine Monster an! Wenig später war ich dann zwar wieder voll ausgerüstet, aber 15 PP ärmer und durfte wieder nach Erudin schippern.
Voll bepackt mit Tiny Dagger und meinem artigen Pet erreichte ich schließlich das fünfte und wenig später das sechste Level. Zielsetzung für dieses Wochenende: Level 9! Also hieß es noch kräftig in die Hände spucken und Monster prügeln. Ich war inzwischen natürlich wieder in Black Burrow gelandet und knüppelte mit mehr oder weniger großen Erfolg Scrawny Gnolls und auch die normalen Gnolls, die ab und zu vor dem Eingang standen. Naja und das restliche Spielchen hab ich ja schon gaaaanz am Anfang dieses Tagebuchs erzählt: töten und getötet werden 😉
Als ich dann schließlich Level 8 erreichte (war schon ein kleines Stück Arbeit), hatte ich nicht nur völlig neue Zaubersprüche, sondern auch ein Loch auf der Bank –> will sagen, ich konnte mir die Sprüche, die mit 5 PP pro Stück zu Buche schlugen, überhaupt nicht leisten.
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Hydro/Rippi im Versteck: Draußen lauern Menschenwachen, die Blauhäuter nicht mögen.

Doch aufmerksame Leser werden wissen, dass es eine Person gibt, auf die ich mich verlassen kann: Genau, der gute alte Rippi. Durch seine Hilfe konnte ich mir nicht nur sämtliche Zauber kaufen, nein, ohne ihn hätte ich wohl auch nie meinen neuesten Level 8 Pet Zauber bekommen. Dieser war nämlich nur in den höchst gefährlichen Gefilden von Highpass Hold zu bekommen und schon auf dem Weg dorthin verreckte ich zweimal.
Naja und den langen Weg nach Highpass Hold, bei dem ich mir (FAST 😉 vor Angst in die Hosen gesch… hätte (unsichtbar vorbei an Lvl 50 Greifen und sonstigem netten Getier) will ich hier nicht weiter beschreiben.

[Fortsetzung folgt nächsten Mittwoch]

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