Lineage 2 – DIE MMORPG-Grafikreferenz?

Schon mal etwas von Lineage gehört? Nein? Kein Wunder: das Spiel ist nur im asiatischen Raum bekannt, aber dort so richtig! Immerhin, und das erstaunt, ist es mit zig Millionen Account-Haltern in Korea/Japan (ok, das relativiert mein Erstaunen dann wieder etwas) das erfolgreichste MMORPG aller Zeiten – noch vor Everquest und Final Fantasy XI, die derzeit ungefähr gleichauf mit 500.000 Usern auf Platz 2 liegen.

Lineage 2, der Nachfolger des Mega-Erfolgs, ist derzeit nur in Korea erhältlich, wird aber in Kürze auch die USA erreichen (ein geschlossener Beta-Test wird im Moment durchgeführt). Selbst über ein Europa-Release wird inzwischen spekuliert.

Ein ausgezeichnetes Video, welches ansatzweise erahnen läßt, wieviel Potential in der Grafikengine steckt (man beachte den Drachen und vergleiche mit einem gängigen Everquest-Drachen), gibt es hier.

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Lineage 2 ist die konsequente Weiterentwicklung eines Erfolgsrezeptes, das im Gegensatz zum Vorgänger, der grafisch eher Ultima Online ähnelte, eine optische Bombastpräsentation zu bieten hat. Trotz erkennbarer Manga-Stil Elemente sieht die Grafik deutlich „westlicher“ aus als z. B. FF XI. Der Hauptgrund hierfür mag wohl in der Tatsache begründet liegen, dass Hersteller NCSoft diesmal auch stark auf den US-Markt fokussiert ist und unter anderem RPG-Größen wie Richard „Lord British“ Garriott an der Entwicklung beteiligte.

Spielerisch bedient sich Lineage 2 an bekannten Größen wie Everquest oder DAoC, plus einer Spur Meridian 59, obwohl ich ehrlich gesagt zugeben muss, dass das Meiste wahrscheinlich aus Lineage 1 stammt, welches ich selbst nie gespielt habe.

Da wäre zum einen die PvE-Phase, also jener Abschnitt, bei dem man den Charakter durch Monster-Plätten hochlevelt. Das System ist ja aus Everquest hinlänglich bekannt: man kämpft allein oder mit einer Gruppe gegen Monster jeglicher Coleur, bekommt Erfahrungspunkte, Geld, Ausrüstung und (und das ist neu) sogenannte Skillpoints. Diese Skillpoints können, je nach Level, auf verschiedene Fertigkeiten und Zaubersprüche vergeben werden. Anders, als z. B. in Diablo 2 oder Dark Age of Camelot, in denen Skillpoints pro Level vergeben werden, hat man in Lineage 2 die Möglichkeit (Zeit und Ausdauer vorausgesetzt), theoretisch alles zu lernen, da man die Punkte ja durch das Töten von Monstern erhält und diese genre-typisch unendlich oft getötet werden können. Ein Verskillen ist somit auf lange Sicht nicht möglich

In Lineage 2 gibt es 5 Rassen (Ork, Zwerg, Mensch, Elf, Darkelf) zur Auswahl, die sich anfangs grafisch deutlich, aber spielerisch kaum voneinander unterscheiden. So kann ein sowohl ein Mensch, als auch ein Ork den Weg des Fighters oder Magiers einschlagen und unterscheidet sich auch durch die anfänglichen Fähigkeiten und Spezialschläge nicht voneinander. Erst im Laufe des Spiels, ab lvl 20, um genau zu sein, erweitert sich die Klassenwahl um weitere Elemente. So kann nun aus einem Menschen-Magier ein Cleric oder Wizard werden; aus einem Kämpfer ein Knight, Warrior oder Rogue. Diese Klassen unterscheiden sich dann durch signifikante Details von anderen Rassen, obwohl es auch hier (ähnlich wie in DAoC) gewisse Parallelen zwischen den einzelnen RassenKlassen-Kombis gibt.

Um die Sache noch etwas ausgefeilter zu gestalten, bekommt Ihr Recke ab lvl 40 dann noch einmal die Möglichkeit auf eine endgültige Spezialisation. Hier hat dann, um bei unserem Menschenbeispiel zu bleiben, der Cleric die Auswahl, ob er zum meisterhaft heilenden Bishop mutieren möchte, oder doch eher auf den Buff-Spezialisten Prophet umsattelt. Wer vorher den Wizard gewählt hat, hat nun die Möglichkeit auf einen Necromancer, Sorcerer oder Warlock. Andersrum, also auf der Fighter-Schiene, ergibt sich natürlich ein ähnliches Bild: so wird der Rogue zum spitzbugigen Treasurehunter oder zum pfeilschießenden Hawkeye, Warrior dürften fortan als Gladiator mit Dual Wield den meisten Nahkampf-Damage austeilen oder als Warlord mit Polearm (2-hand) Waffen durch die Feindesschaaren metzeln. Ritterliche Naturen (Knight) avancieren hingegen zum sprüchewerfenden Paladin oder seinem „bösen“ Gegenstück, dem Dark Avenger (vergleichbar mit dem Everquest Shadowknight).

Neben dem PvE Element, das an sich schon deutlich ausgefeilter ist als z. B. in Horizons, kommt jedoch noch das PvP-System (Kampf gegen andere Spieler) hinzu, welches sich in zwei Abschnitte unterteilt: dem echten und altbekannten PvP, also dem Kampf zweier Spieler gegeneinander (Meridian 59 oder UO Recken werden sich hierbei an die berühmt-berüchtigen PKs erinnern). Und das Belagern von Städten und Festungen, den sogenannten Sieges. Hier sollen dann auch Belagerungswaffen und Ahnliches zum Einsatz kommen. Beide Elemente sind auf jeden Fall Garant für eine langanhaltende Zielsetzung, selbst wenn der PvE Teil einmal komplett erkundet sein sollte.

Um noch einmal auf die Grafik zu sprechen zu kommen: es gibt kein Spiel, und das sage ich mit aller Deutlichkeit, das es im Moment mit der Fülle und Qualität aufnehmen kann, die Lineage 2 in Sachen Rüstungen und Waffen zu bieten hat. Die Gegenstände sind allesamt sehr abwechslungsreich und toll in Szene gesetzt: da trägt ein Warrior eine glänzende und mit Ornamenten verzierte Plattenrüstung, hat ein Schwert in der Hand, das im Real Life nicht mal zwei Leute stemmen, geschweige denn Schwingen könnten und macht sich mit effektvollen Spezialschlägen über seinen Gegner her.

Besonders das Waffen-Sortiment geht hier über asiatische Katanas, riesige Äxte, Streihtämmer, Kampfklauen bis hin zu allen möglichen Fantasy-Gebilden, die es mit der schon sehr üppigen Waffenvielfalt eines Everquest (inklusive aller Add-Ons versteht sich) durchaus aufnehmen kann.

Dass das Spiel grafisch so gut aussieht und trotzdem selbst auf Mittelklasse-Rechnern keine drastischen Performance-Einbrüche verbucht (man vergleiche hierzu Horizons: Mittelmaß-Grafik und schlechte Performance) hat Lineage 2 der Warfare-Engine zu verdanken, die bereits in Unreal 2 und Unreal Tournament 2003 ihre Anwendung fand – beide Titel gelten im Actionbereich immer noch als die Referenztitel in Sachen Grafik. Ein weiteres Merkmal der ausgezeichneten Engine ist die Weitläufigkeit der Spielfläche: es gibt so gut wie keine Zone, die nachgeladen wird. Im Grunde spielt sich die Welt wie aus einem Guss – in meiner bisherigen Spielzeit gab es nur ein einziges Gebiet, in dem man wirklich einen „Zonenwechsel“ gemerkt hat – und selbst das ging innerhalb von 10 Sekunden. Überhaupt: auch die Einlogphase ist geradezu genial. Auch hier wieder der Vergleich zu Horizons: wo man dort satte 5 Minuten darauf wartet, bis das Spiel endlich fertig geladen wird, ist das in Lineage 2 eine Sache von nicht mal 20 Sekunden: Userdaten eingeben, Charakterauswählen und das „huch – bin ich schon drin? Das ging ja schnell!“-Gefühl kommt ganz von allein.

Trotz aller Euphorie ist natürlich auch Lineage 2 nicht frei von Fehlern: so ist das PvE Element in den ersten 20 Leveln wahrlich nichts innovatives; Hack&Slay in Reinkultur heißt hier die Devise. Gruppenspieler seien außerdem gewarnt: Anders als vielen Konkurrenzprodukten ist das Solo-Spielen nicht nur möglich, sondern sogar sehr effektiv. Das wiederrum wird Solisten freuen, die nun endlich nicht mehr auf Gruppen angwiesen sind, um zu leveln.

Was weiterhin negativ auffällt ist die Steuerung, die sich nicht der Tastatur bedient, sondern ähnlich wie bei einem Echtzeitstrategiespiel mit der Maus ausgeführt wird. Klickt man mit der linken Maustaste auf eine Stelle, bewegt sich unser Kamerad automatisch an den gewünschten Ort. An für sich keine sooo schlechte Sache, immerhin braucht man hier keine Autorun-Taste mehr. Dumm wird es nur, wenn man durch enge Gassen oder Baumgruppen navigieren muss, denn hier für ist die Steuerung zu fummelig und die Wegfindung des Avatars eine einzige Katastrophe! Mit gedrückter rechter Maustaste wird übrigens stufenlos gezoomt und gedreht – ganz ähnlich, wie man es aus Everquest kennt, wenn man in die F9 Außenperspektive geht.

Es gäbe noch vieles zu sagen, z. B. über das sehr gelungene Gilden-Konzept, aber an dieser Stelle möchte ich meinen Bericht dann erstmal schließen. Ob das Spiel letztlich hält, was die tolle Grafik und die Features versprechen, wird sich erst noch erweisen müssen. Der Beta-Test, an dem ich derzeit teilnehme, macht allerdings schon mal wirklich Lust auf mehr. Hautnahe Berichte und eine Menge weiterer Screenshots werden sich in Kürze auf dieser Page einfinden.

Sothi

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