Meridian 59 ist tot!

Eine traurige Nachricht ereilte soeben meine Kommunikationsschnittstelle: Meridian 59, das Urgestein der MORPG-Szene (den Begriff MMORPG möchte ich vermeiden — Meri59 hatte selbst zu seiner Hochzeit nie mehr als 150 Spieler/Server gleichzeitig online) wird Ende Dezember für immer und endgültig abgeschaltet.

Das ursprünglich von 3D0 publizierte Meridian 59 kann besonders hier im deutschsprachigen Raum auf eine lange Tradition zurückblicken: Nachdem sich der damalige Computec Verlag die deutschprachige Lizenz gesichert hatte, durften sich PC Games-Leser für einige Zeit über die Meridian 59 Clients auf den Cover CDs wundern. Irgendwann wurde das Ganze von Gamesonline weiterbetrieben — ich erinnere mich leider nicht mehr an die genauen Zusammenhänge, weiß aber noch gut, dass der damals verantwortliche Community Manager Markus Wollny eine angenehme Person war (mittlerweile zeichnet er sich für Onlineauftritt der PC Games verantwortlich) — und dann schließlich eingestellt, auch, weil das Spiel in den USA nicht mehr weiterentwickelt wurde.

Gott sei Dank nahmen sich ehemalige Entwickler unter dem Firmennamen Near Death Studios dem Projekt an und ermöglichten so, dass die deutsche Meridian 59-Lizenz 2002 von MDO Entertainment unter der Feder von Ex-Barde Merrit (aka Uwe der Weise *g*) erworben werden konnte. Dies sicherte dem Spiel immerhin weitere 7 Jahre, in denen das Urgestein natürlich mit einer unendlich großen Konkurrenz zu kämpfen hatte. Meridian 59 konnte sich schon am Zenit seiner Bekanntheit nicht gerade als Massenspiel bezeichnen; im Jahre 2009 besuchten wohl nur noch eine Handvoll hartgesottener Fans die Brunnenkneipe zu Tos oder den wohlbekannten Unterwelt-Knoten *g*.

Dass dies nun auch der deutsche Betreiber eingesehen hat, ist sehr schade, aber wirtschaftlich gesehen wahrscheinlich die einzig vernünftige Alternative. Und es ist, wie es Merrit in seinem Abschiedsschreiben treffend formuliert: Mit den wenigen Spielern macht es auch den verbliebenen Usern nur wenig Spaß, denn Meridian 59, das nie über einen auch nur ansatzweise mit anderen Konkurrenzprodukten vergleichbaren PvE-Part besaß, stand und fiel schon immer mit seiner Community. Kommunikation, PvP, soziales Miteinander prägten dieses Ausnahmespiel und damit seine Benutzer wie kein anderes Online-Rollenspiel. Dies war auch der erste Aspekt, den ich vermisste, als ich irgendwann 1999 den Schritt in die Welt von Everquest wagte, nur um nach wenigen Monaten reumütig zurückzukehren (ok, irgendwann packte mich Everquest dann doch komplett *g*).

Meridian 59 war mein erstes Onlinerollenspiel und bei den damaligen Telekompreisen (Flatrates kamen erst ein paar Jahre später) mit Abstand auch das teuerste Hobby, das ich ausgeführt habe. Ich denke gerne und manchmal auch mit Wehmut an jene Zeit zurück, in der ich einige Erfahrungen sammeln und viele Leute kennen lernen durfte — einer von diesen Leuten, ich glaube es war sogar die allererste Person, mit der ich in Meridian 59 richtig dauerhaften Kontakt hatte, ist der gute alte Rippi — eben jener, der auch hier auf diesem Blog ab und an sein Unwesen treibt und heute zu meinen guten Freunden zählt.

Und so möchte ich abschließend alle Meridianer ganz herzlich grüßen, die diesen Beitrag lesen — sowohl diejenigen, mit denen ich Seite an Seite (Nightmare for Life!) in etlichen PvP-Aktionen gegen die bösen PKler gekämpft habe, als auch eben jene Player Killer, ohne die das Spiel einfach langweilig geworden wäre.

Wer etwas in Nostalgie schwelgen möchte, kann sich gerne einmal eines meiner ersten Homepage-Projekte aus der damaligen Zeit anschauen: Die Gildenhompage zu unserer Hunter-Gilde Nightmare — mit viel Talent von Bernstein designed und mit sehr sehr viel Herzblut von mir mit (teils kontrovers diskutierten) Inhalt befüllt. Und einige Bilder möchte ich an dieser Stelle auch zum Besten geben.

Meridian 59
Die Mannschaft unserer ersten gemeinsamen Gilde: Lords of Fire

Meridian 59
Und die Nachfolge-Gilde Nightmare — zeitweise die größte Gilde des Servers

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