World of Warcraft: Private WoW-Funserver und FreeShards — eine Anleitung

Jeder „seriöse“ MMORPGler rümpft beim Thema privater Server die Nase und verdreht entsetzt die Augen. Und so ganz von der Hand zu weisen ist die Abneigung nicht. Doch was steckt wirklich hinter diesem Phänomen und wie kommt man auf einen solchen kostenlosen Server? Anhand des Beispiels World of Warcraft möchte ich näher auf das Thema eingehen. Weiter geht’s auf mehr.

Ein Bericht von Sothis Spielwiese: http://blog.sothi.de/2007/12/wow-private-server-funserver.html


Seit es das Konzept der MMORPGs gibt, gibt es die Bezahlform der Abogebühren. Für schnuckelige 12-15 Euro im Monat dürfen sich interessierte Spieler in die unendlichen Welten von World of Warcraft & Co einklinken und bekommen als Gegenleistung nicht nur die Spielwelt, sondern regelmäßig Bugfixes, Content-Patches und natürlich einen reibungslosen Spielablauf dank finanzierter Server-Infrastruktur geliefert. Fast genauso lang allerdings (genauer gesagt: seit Ultima Online) gibt es das Konzept der so genannten FreeShards, kostenloser Privatserver oder Funserver, die geleakte oder nachgebaute Serversoftware verwenden, um einen WoW-Server für lau zu simulieren. Doch ist so etwas überhaupt spieltauglich?

Rückblick auf vergangene WoW Tage

Mein letzter WoW-Besuch liegt schon einige Zeit zurück. Damals, als The Burning Crusade frisch in die Läden kam, wollte ich eine Art Neuanfang wagen. Also wählte ich mit einem Draenei eine ganz neue Rasse mit einem ganz frischen Startgebiet und quälte mich durch insgesamt 15 Level. Quälen ist in diesem Zusammenhang das richtige Wort, denn: der Funke wollte einfach nicht überspringen. Das Leveln, Questen und das Rumgeseiere der NPCs stellte bei mir nur eine Emotion ein, nämlich Langweile. Also wurde das Projekt World of Warcraft lange Zeit auf Eis gelegt und sich anderen Dingen gewidmet.


Selbstversuch: Ich joine einem privaten WoW-Server

Doch das Web hat immer die eine oder andere Überraschung zu bieten. Durch Zufall stieß ich auf eine Liste von Free Servern, die sich allesamt dem Thema World of Warcraft verschrieben hatten. Erstaunt über die schiere Anzahl der hier angebotenen Spielewelten („Macht da Blizzard eigentlich nichts gegen?„) klickte ich mich ein wenig durch und stellte schnell fest: Diese Server existieren wirklich, sie funktionieren wirklich und sie sind auch wirklich bevölkert. Und noch etwas wurde mir klar: Ein solcher Server hat nicht nur den Vorteil, dass er völlig kostenlos ist (was mir eigentlich egal wäre), sondern kann mit ein paar echten Leckerbissen aufwarten.

Dadurch, dass der Server von privaten Usern betrieben wird, haben diese sämtliche Möglichkeiten, Einstellungen an der Software vorzunehmen, die den Server emuliert. So levelt man auf den meisten FreeShards x-mal schneller als bei Blizzards offiziellen Servern. Man erhält deutlich mehr Geld bei jedem getöteten Mob und die Droptable der Bosse ist völlig über den Haufen geworfen. Was das im Einzelnen bedeutet, erkläre ich gleich noch. Besonders interessant ist aber vor allem die Tatsache, dass auch das Levelcap von 70 auf 80 oder teilweise noch höher angehoben wird. Wer schon immer mal solo oder in kleiner Gruppe einen hochlevligen Instanzen- oder Raidboss killen wollte, erhält nun die Möglichkeit dazu.


Privater Server: Vor- und Nachteile

Die Vorteile habe ich ja bereits genannt: Alles, was man macht, geht x-mal schneller von statten, als es im richtigen Spiel möglich wäre. Und durch das Aufheben der Levelcap wird die Spielfigur unheimlich mächtig. Ich bekomme ja nur nicht nur zusätzliche Level, die mir mehr Mana und Lebenspunkte einbringen. Nein, auch der Talentbaum kann weiter ausgebaut werden. Das heißt im Klartext, dass je nach Maximallevel ganze Bäume und noch mehr nahezu komplett ausgebaut werden. Man kann sich sicherlich vorstellen, was für Kampfmaschinen am Ende rauskommen.

Doch das Gameplay kann noch mit einer weiteren Genialität punkten: Bossmobs aus Raidinstanzen wurden deutlich in Ihren Fähigkeiten gestutzt. Spezialmoves etwa, die vorher ganze Raids dem Erdboden gleich gemacht haben, funktionieren nicht mehr. Und so ist es in Kombination mit dem hohen Level möglich, selbst die schwierigsten World of Warcraft Raid-Instanzen mit gerade mal einer Gruppe zu meistern — beispielsweise durch den Black Temple mit gerade mal 5 Leuten.

Beispiel gefällig?

Kürzlich war ich mit Level 76 und vier weiteren Gildenkollegen im Black Temple, seines Zeichens die höchste, schwierigste und best belohnteste Instanz in World of Warcraft. Man mag es fast nicht glauben, aber mit gerade mal 5 Leuten (einem Druiden, einem Priester, einem Schurken, einem Schamanen und einem Magier) machten wir Obermegaboss Illidan dem Erdboden gleich. Hat zwar etwas länger gedauert (gute 20 Minuten), aber als Illidan schließlich tot zu unseren Füßen lag, war es trotzdem ein geiles Gefühl.

Noch geiler war allerdings die Tatsache, dass die Loottable bei Endbossen dermaßen hochgedreht ist, dass ein Boss bei jedem Kill immer sämtliche Items droppt, die er auf seiner Table stehen hat. Das heißt in der Praxis: Wer Illidans Sichelklingen (Legendäre Items) in seinen Besitz bekommen möchte, muss ihn lediglich 1x killen. Öfter ist nicht notwendig, außer natürlich es befindet sich noch ein weiterer Krieger oder Schurke in der Gruppe, der die Teile noch nicht hat. Aber dann eben beim nächsten Mal.

Es ist nahezu unglaublich, wie sich meine Ausrüstung durch 1x Black Temple besuchen verändert hat. Als ich den Tempel betrat, war 80% meiner Ausrüstung grün. Als ich den Temple am selben Abend wieder verließ (wir hatten rund 8 Bosse abgefertigt), bestand die Ausrüstung meines Schamanen zu 90% aus epischen (!) Items. Wer es nicht glaubt, hier ein paar Beweisfotos:

Natürlich hat ein privater Server auch ein paar Nachteile. So ist die Emulation nicht immer 100% fehlerfrei. Das heißt, dass die eine oder anderen Quest unter Umständen nicht abschließbar ist oder manche NPCs verbuggt sind. Hier hilft dann meistens nur eins: GM Ticket schreiben und hoffen, dass man auf einem guten Server gelandet ist, bei dem die GMs ihre Arbeit ernst nehmen.

Anleitung: Wie komme ich auf einen Free Server?

Wer wirklich einem privaten WoW-Server beitreten möchte, muss sich zu allererst durch eine riesige Liste von Servern durcharbeiten. Eine solche Liste findet man hier. Die Liste ist aufgeteilt in verschiedene Sprachen, in die XP-Rate (funserver, blizzlike, etc.) und beinhaltet außerdem ein Rating, das ein guter Hinweis darauf ist, wie tauglich der Server in Bezug auf Verfügbarkeit und Spielbarkeit ist.

Besonderes Augenmerk sollte man auf jeden Fall auf die XP-Rate haben, denn diese trägt maßgeblich zu eurem Spielerlebnis bei. Wenn die Rate z.B. als Fun Server deklariert ist, sind die XP Gewinne überhaupt nicht mehr in Relation. Man überspringt die Levelphase quasi im Nu und beginnt mehr oder weniger sofort als Superman. Wer das nicht möchte, ist wahrscheinlich besser damit beraten, sich ein Rating zu suchen, das etwas moderater ist — beispielsweise einen mit der Bezeichnung high. Auf einem High-Server erhaltet ihr immer noch sehr viel Exps, sehr viel Geld, aber man muss eben trotzdem noch etwas Zeit investieren. Wer sich hingegen für einen Blizzlike Server entscheidet, erhält genau die gleichen Regeln, die auch auf einem offiziellen Blizzard-Server erwarten würde — nur zahlt er dafür eben keine Monatsgebühren.

Zusammenfassend nochmal:

Funserver = Absurd hohes XP-Rating. Von Null auf Nix zum Superman.

High, Very High = Sehr hohes XP-Rating im Vergleich zu einem offiziellen Server (meist das 5-20fache an Erfahrungspunkten, Geld und Items).

Blizzlike = Regeln genau wie auf den offiziellen Servern ohne Modifizierungen

Die meisten Free WoW-Server hinken den aktuellen Versionen der offiziellen Server um 1-2 Patches hinterher. Daher ist es wichtig, dass ihr euch vorher erkundigt, welche Softwareversion zum Spielen notwendig ist. Eine Seite, die zudem alle bisher verfügbaren Patches auflistet, findet sich unter dieser URL . Jeder private Server bietet desweiteren eine Webseite mit den notwendigen Versions-Informationen an. Außerdem könnt ihr euch auch hier für das Spiel anmelden. Das funktioniert in der Regel ganz einfach: Ihr meldet euch an, erhaltet von dem Server-Betreiber eine E-mail mit einer Seriennummer und könnt mit Hilfe der Seriennummer einen kostenlosen Account auf dem privaten Server anlegen. Dieser Account ist dann sowohl für die Webseite, als auch für das eigentliche Spiel gültig.

Gleich geht’s los

Habt ihr das alles erledigt, gibt es eigentlich nur noch eine Sache zu erledigen — nämlich das Modifizieren der realmlist.wtf. Diese Datei befindet sich in eurem WoW-Verzeichnis und muss statt dem offiziellen Server einen Eintrag für den privaten Server beinhalten. Das ist in der Regel nur eine einzige Zeile, die z.B. so aussieht:

Mehr ist nicht notwendig. Jetzt noch abspeichern und fertig. Wenn alles geklappt hat, loggt ihr euch jetzt mit Hilfe des normalen WoW-Clients und den Account-Daten, die ihr auf der Seite angelegt habt, ein und siehe da: Ihr seid drin!

Wenn man mich nun fragt, welcher Server aus der ganzen Auswahl der richtige sei, so kann ich nur antworten: Um das zu beurteilen, müsste man alle Server durchgehen und das ist nahezu eine Lebensaufgabe.   Hierbei handelt es sich um eine kleine, aber feine deutschsprachige Community, die über ein hilfsbereites GM-Ensemble verfügt und auch in Sachen Erreichbarkeit (rund um die Uhr) und Geschwindigkeit punkten kann. Positiv ist außerdem, dass ein Forum und sogar ein Teamspeak-Server zur Verfügung gestellt wird. Das Einloggen ist nach obiger Anleitung auf diesem Server denkbar einfach und durch folgende Faktoren ist auch ein gewissen Aufwands/Spaß-Verhältnis gegeben.

Hier die Daten im Detail:

Regeneration rates:

Health = 1.3 x Blizzlike
Mana   = 2 x Blizzlike

Drop rates:

Items = 7 x Blizzlike
Money = 40 x Blizzlike

Experience rates:

Kill    = 11 x Blizzlike
Quest   = 20 x Blizzlike
Explore = 10 x Blizzlike

Probiert es doch einfach mal aus! Ich würde mich außerdem über Kommentare freuen, falls dieser Bericht für euch hilfreich war.

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